Total Recall – der totale Vergleich

Total Recall, die 2012er-Verfilmung von Philip K. Dicks Kurzgeschichte „Erinnerungen en gros“, ist eine viel werktreuere Adaption der Erzählung als die Arnold-Schwarzenegger-Version von 1990. Hier eine kurze Kritik dieses Streifens: Bei der düsteren Atmosphäre wird schnell klar, dass der Regisseur Len Wiseman ein Fan von „Blade Runner“ ist, ein weiterer Film, der auf einem Werk von Dick basiert. Die Darstellung der Zukunft ist in Total Recall dunkel und pessimistisch, was aus dem Streifen beinahe einen Film noir macht – eine komplette Kehrtwende vom fröhlichen Actionfilm mit Arnold aus den 1990er Jahren. Der von Colin Farrell gespielte Protagonist Douglas Quaid wird von wirren Träumen geplagt, gleichwohl verspürt er den Drang, diese Träume auch in Wirklichkeit zu erleben. Da er als einfacher Arbeiter dazu leider keine finanziellen Möglichkeiten hat, stattet er „REKALL“ einen Besuch ab – einem Unternehmen, das darauf spezialisiert ist, maßgefertigte Erinnerungen in die Köpfe ihrer Kunden zu implementieren. Quaid entscheidet sich bei REKALL für eine spannende Erinnerung als Doppelagent und wird für die Prozedur in einem Stuhl festgeschnallt. Bei der Implementierung (oder kurz davor?) nimmt die Handlung rasant an Fahrt auf.

Natürlich wartet Total Recall 2012 mit viel besseren Spezialeffekten auf als der ursprüngliche, über zwanzig Jahre alte Film, bei dem Arnold jedoch eine solche Leinwandpräsenz aufwies, dass ein Schauspieler es sehr schwer hat, gegen ihn anzukommen – insbesondere wenn er die Rolle spielt, in der Arnold im Original wirklich überzeugte. Allerdings macht Colin Farrell in der Rolle des Douglas Quaid bzw. Hauser eine ganz gute Figur und steht daher außerhalb jeglicher Kritik. Ferner zu sehen sind Bryan Cranston, bekannt aus der TV-Serie „Breaking Bad“, als Cohaagen (im Original von Ronny Cox gespielt), Jessica Biel als Hausers Gespielin Melina (Rachel Ticotin im Originalfilm) und Bokeem Woodbine als Quaids Freund Harry. Nun gibt es einige deutliche Unterschiede zwischen den beiden Filmen:

1. Sharon Stones Rolle aus dem Originalfilm wird hervorragend teuflisch von Kate Beckinsale (aus der Filmserie „Underworld“) gespielt, die während des ganzen Films bis zum Ende zu sehen ist. Ihr Charakter bei Total Recall ist eigentlich eine Kombination von zwei Figuren aus dem Originalfilm – Sharon Stones ursprünglicher Rolle und auch die Rolle des Michael Ironside als Richter im Originalfilm. Beckinsale verleiht ihrer Rolle ein großes Maß an Bösartigkeit, wie nur Frauen dazu imstande sind.
2. Der Planet Mars hat bei Total Recall 2012 keine besondere Relevanz, was unter vielen Fans des Arnold-Films Kritik auslöste. Alle Ereignisse finden in der „United Federation of Britain“ (Großbritannien) und der „Kolonie“ (Australien) statt.
3. Während es in der 1990er-Version noch so von Mutanten wimmelte, kommen diese bei Total Recall 2012 so gut wie gar nicht vor. Vor allem bei Mutanten-Fans sorgte dieser Punkt für Kritik.

Um in den vollen Genuss dieses Films zu kommen, muss man wirklich das Original ausblenden, jegliche Kritik vergessen, sich zurücklehnen und den Film genießen und so nehmen, wie und was er ist: Eine großartige Verfilmung der Kurzgeschichte von Philip K. Dick, die vor allem durch ihre finstere, zwielichtige Atmosphäre überzeugt. Sie bietet sowohl massig Actionszenen als auch akzeptable Leistungen der Schauspielerei. Dieser Film wird zweifellos allein aufgrund der großen Fußstapfen des Originalfilms so unterschätzt. Wer explizit kein Remake der Arnold-Schwarzenegger-Version erwartet, der wird keine Kritik, sondern große Freude an diesem Film haben.

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